Navigation

Alle Neuigkeiten und Termine nach Kategorien:

„Die Mannschaft“- Deutsche Kühe feiern große Erfolge in Frankreich

Europa. Das ist bunt, multi-kulti, Vielvölkertum. Manchmal ist es auch ein undurchdringlicher Dschungel von Gesetzen und Bestimmungen, Streitereien zwischen Politikern und Austrittsdrohungen aus der EU. Aber an diesem Wochenende war Europa vor allem eines: im Kuh-Rausch.

Zumindest hier im französischen Colmar, unweit der deutschen Grenze. Scheinbar viel zu lange haben die europäischen Top-Züchter auf diese Europaschau warten müssen. Anders lässt sich dieser Rausch, diese Hochstimmung, die man spürt, wenn man durch die Hallen mit den Kuhständen der teilnehmenden Länder geht, nicht erklären.

In wochenlanger aufopfernder Arbeit wurden diese Besten der Besten Kühe vorbereitet. Geschoren, gewaschen, gefüttert… es wurde geübt und gestylt, Nachtschichten gefahren um die rund-um-die-Uhr-Betreuung zu gewährleisten.

Deutsches Team läuft sich warm

Das deutsche Team kann sich freuen. So hoch wie die Erwartungen im Vorfeld waren, so glücklich sind jetzt die Gesichter. Am Freitag, beim Wettbewerb der rotbunten Holsteins richtete Jaume Serrabassa-Vila, ein Spanier. Er befand die Armani- Tochter RS Rosanne von Egon Strudthoff aus Dötlingen für überaus ansprechend. Sie schaffte in der 16-Kuhkopf starken Klasse der jungen Kühe einen fünften Platz. Maxie (V. Mad Max) von Josef und Bernd Hatke aus Bösel erlangte den zehnten Platz.

In der nächsten Klasse mit zwölf jungen Kühen (erste Laktation), platzierte sich auf dem neunten Rang Britta, eine Dixieland-Tochter der Meier GbR aus Bad Arolsen.

In den darauf folgenden beiden Klassen der alten Kühe platzierte sich Chicca, eine Picolo-Tochter von Gerd Gerdes aus Bad Zwischenahn auf einem siebten Platz in der insgesamt elf Tiere umfassenden Gruppe. Sie war 2015 auf der deutschen Nationalschau noch der „Überraschungsjoker“ aus dem MASTERRIND-Gebiet, hatte sich Familie Gerdes doch zuvor noch gar nicht so für Schau interessiert. Dem folgte die Nominierung für die Europaschau- eine Ehre, die kaum einer Kuh je zuteil wird.

HMS Halloveen (V. Tequlia) von Henrik Wille und Hubert Meyer, Herbergen, war das erste Tier im deutschen Team, dass es auf einen vierten Rang schaffte und so noch eine extra Kommentierung nach dem Richten bekam. Sie hatte Serrabassa-Vila vor allem durch ihr Euter überzeugt. Ihre Vordereuteraufhängung und Strichplatzierung gaben den Ausschlag.

Dem Rotbuntwettbewerb schloss sich der Länderwettbewerb an. Hier feierte die Schweiz, wie noch so oft an diesem Wochenende, den größten Erfolg.

Schwarzbunter Publikumsmagnet

Am Samstag kam es zum inoffiziellen Höhepunkt der Schau: der Wettbewerb der schwarzbunten Holsteins. Das Freilichttheater des Expo-Geländes in Colmar füllte sich merklich. Flaggen, Menschen, verschiedenste Sprachen… alles erhob sich zu einem begeisterten Summen über den Rängen bis es endlich los ging und der deutsche Richter Markus Mock die Veranstaltung mit dem Richten der ersten Klasse der jungen Kühe eröffnete. Alle schweren Gedanken aufgrund der schwierigen Lage in der Landwirtschaft, alle Sorgen und Nöte, schienen für die kommenden Stunden vergessen.

In der zweiten Klasse junger Kühe liefen dann auch die ersten deutschen Tiere mit. Camilla, eine Sympatico-Tochter von Devon Lohmöller und Michael Mütze aus Emsbüren und RZB Liza (V. Ladd P), ebenfalls von Egon Strudthoff, behaupteten sich gegen die elf anderen Kühe. Camilla erlangte Platz sechs, Liza Platz elf.

In der letzten Klasse der jungen Kühe ging es für Princes (V. Odyssey) von Jürgen Hobbie aus Kiebitznest und Big Time Patricia, eine Atwood-Tochter von Wilfried und Eckhard Hauck aus Gemünden, um einen Platz auf den vorderen Plätzen. Princes wickelte das Richterauge gekonnt um den Finger und der dritte Platz war ihr sicher. Sie bestach vor allem durch ihren hervorragenden Milchcharakter und die feste Euteraufhängung. Patricia stand an achter Stelle in der insgesamt wieder sehr großen Gruppe von 14 Tieren.

Mittlere Kuhklassen

Hier sieht man, was aus Kühen wird, wenn sie sich in der zweiten und dritten Laktation anfangen „zu setzen“. Sie entwickeln sich, zeigen aber auch einen kleinen Ausblick darauf, was aus ihnen später noch alles werden kann.

SHo Moonrise, die Bradnick-Tochter von Wilken Schwarze aus Dörverden und LLH Carolin (V. Acme) von Heinz Tangermann aus Handorf sind zwei solche Kühe. Schick und gefällig für die Augen des Betrachters. Sie platzieren sich auf dem siebten und achten Rang von insgesamt zwölf. Zwei Klassen weiter schafft es Roccofarm Seaver Zeaver, auch von Egon Strudthoff, zu einer ehrenvollen Erwähnung auf dem fünften Platz.

Giessen San Goerdy (V. Sanchez) von Rainer Engelke und Eike Spangenberg aus Brebber kämpfte sich in ihrer sehr starken Klasse auf den siebten Platz.

Eine schöner als die andere

Die alten Klassen sind ohne Frage auf jeder Schau die Königsklasse. Aber was sich hier in Colmar für ein Anblick bot, war wirklich sehenswert! Markus Mock wusste es in der letzten Klasse so auszudrücken: „Das schlimmste was ich heute machen musste, war die Kuh auf dem letzten Platz zu benennen, denn eigentlich gibt es hier keine, die schlechter ist.“ Aber wohl welche, bei denen es dieses „Etwas mehr“ gibt.

BWH Annika (V. Atwood) von Wille, Bollhorst, Melbaum und Kallaß aus Herbergen zeigte das, als sie den sechsten Platz aus 14 machte. Derbovens GW Gesha (V. Goldwyn) aus Warpe, Lheros Elaniss von Wilcor Holsteins aus Warmsen und WIT Lucille (V. Knowledge) von Thomas Wiethege, Halver hatten es wirklich nicht leicht gegen die übermächtige Konkurrenz von Galys-Vray (V. Atwood) aus der Schweiz, die im Moment aus scheinbar jeder Schau als Siegerin hervorgeht.

Doch ließ sich Elaniss mit ihrem absolut bombastischen Hintereuter davon nur geringfügig beeindrucken. Den dritten Platz sicherte sie sich trotzdem! Gesha lief auf dem achten und Lucille auf dem dreizehnten Rang.

You raise me up

Es ist schwer vorstellbar, wie genau sich der Moment anfühlen muss, wenn man zu dem Lied „You raise me up“ mit seiner besten Kuh durch den Vorhang schreitet, auf dem Weg zur letzten und wohl insgesamt besten Klasse der alten Kühe auf einer Europaschau. Mehr kann man als Kuh kaum werden.

Sönke Strudthoff und Henrik Wille wissen es. Strudthoffs Future Genetic Ice (V. Jasper) ist sogar schon das zweite Mal auf diesen Brettern, die den Züchtern die Welt bedeuten. Beim letzten Mal ging sie als Siegerin ihrer Klasse hervor.

Die andere deutsche Teilnehmerin ist wohl Jedem bekannt, der wenigstens mit einem halben Ohr das Zuchtgeschehen in Deutschland verfolgt. Lady Gaga (V. Modest) von Henrik Wille und Friedrich Köster, Herbergen, betritt als letzte den Ring. Groß ist die Konkurrenz, begrenzt die Anzahl der begehrten Plätze die zur Senior Champion Auswahl führen und hart die Entscheidung für Richter Mock.

Nach allem, was an diesem Samstag schon passiert ist –Tränen der Freude, Jubel, La-Ola-Wellen, Wassershows… nun der zweite Platz für Lady Gaga hinter der spanischen Konkurrentin Ashlynvray Goldwyn.

Vor der Drittplatzierten überzeugte sie mit ihren bekannten Vorzügen: der festen Vordereuteraufhängung, der Breite in der Vorhand und ihrem super Becken. Ice brachte es auf den elften Rang von 14.

Galys-Vray

Die Wahl des Grand Champion dieser Europaschau stand noch aus. Zwar ohne die Beteiligung der deutschen Kühe, dennoch ein großartiger Moment. Die schönste Kuh Europas wird ja nicht alle Tage gewählt. Auch an diesem Tag ging kein Weg an der schweizerischen Galys-Vray vorbei. Sie überzeugte Markus Mock auf ganzer Linie!

Jungzüchter haben Grund zu feiern

Für die Jungzüchter traten Gerrit Kumlehn und Torben Melbaum in den Kategorien jung und alt an. Bewertet wurde nach der Auslosung der Junngrinder das Fitten, wo der Wettbewerb bereits am Freitag statt fand, die Sauberkeit am Arbeitsplatz und das Vorführen im Wettbewerb am Samstag. Beide schlugen sich in ihren Gruppen ausgezeichnet und spiegeln das hohe Niveau der MASTERRIND-Jungzüchter wider. Beide brachten Deutschland in der Gesamtwertung auf den fünften Platz von 16.

 

thumbnail of ergebnisse_aus_colmar

Zurück
Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu... OK