MASTERRIND GmbH

05. März 2026

Fachgespräch Rindermast in Verden

Branche zwischen Kostendruck, Marktchancen und neuen Haltungsanforderungen

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Wie geht es weiter mit der Rindermast in Niedersachsen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachgesprächs Rindermast, zu dem die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) gemeinsam mit MASTERRIND am 5. März in das Forum der Niedersachsenhalle nach Verden eingeladen hatte. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort sowie etwa 40 Online-Gäste nutzten die Veranstaltung, um aktuelle Marktentwicklungen, politische Vorgaben und betriebliche Perspektiven zu diskutieren. Ergänzt wurde das Programm durch eine begleitende Fachmesse.

Das Wichtigste in Kürze

Rindermast im Spannungsfeld struktureller Veränderungen

Zum Auftakt machte Dagmar Heyens, stellvertretende Präsidentin der LWK Niedersachsen, klar: Die Rindermast steht vor entscheidenden Jahren. Zwar sei die Marktlage derzeit durchaus interessant, doch neue Vorgaben zu Tierhaltung und Kennzeichnung dürften den Strukturwandel weiter beschleunigen. Sorge bereiten ihr zudem sinkende Schlachtkapazitäten – mit jeder geschlossenen Schlachtstätte gehe ein Stück regionaler Wertschöpfung verloren. Umso wichtiger sei der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dass beim Fachgespräch Produzenten, Lebensmitteleinzelhandel, Politik und Schlachtunternehmen an einem Tisch sitzen, begrüßte Heyens daher ausdrücklich.

Tierwohl kostet – vor allem im laufenden Betrieb

Wie sich höhere Haltungsstufen wirtschaftlich auswirken, zeigte Anton Berentzen (Universität Göttingen) anhand von Modellrechnungen für einen Bullenmastbetrieb mit 400 Plätzen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Mehrkosten entstehen weniger durch Stallinvestitionen als durch laufende Betriebskosten. Vor allem der Einsatz von Stroh treibt Arbeitsaufwand und Materialkosten deutlich in die Höhe. Gleichzeitig sind derzeit keine Mehrerlöse für höhere Haltungsformen zu erwarten. Damit bleibt klar: Die zusätzlichen Kosten müssten vom Markt oder durch politische Instrumente getragen werden. Die aktuellen Preisaufschläge reichen dafür nach Einschätzung der Teilnehmer jedoch bei weitem nicht aus.

Rindfleisch wird knapper – und teurer

In einer anschließenden Diskussionsrunde mit Vertretern aus Handel und Schlachtwirtschaft wurde deutlich, dass sich der Markt derzeit in einer Phase spürbarer Verknappung befindet. Till Antonio Stahl (REWE Group) berichtete, dass für einen Großteil des Lebensmitteleinzelhandels Haltungsstufe 3 künftig zum Standard werden soll. Die Umstellung war ursprünglich bereits für 2025 geplant, konnte jedoch aufgrund fehlender Mengen und hoher Preise noch nicht vollständig umgesetzt werden. Für den Handel habe derzeit vor allem die Sicherung der Rohware oberste Priorität – denn leere Regale kosten Kunden. Gunnar Rohwäder (Tönnies Rind) verwies zugleich auf die starke Preisentwicklung: Innerhalb eines Jahres sei Rindfleisch um mehr als 14 Prozent teurer geworden. Selbst in der Systemgastronomie werde Rindfleisch deshalb zunehmend durch günstigere Alternativen wie Geflügel ersetzt. Deike Harms (Westfleisch SCE mbH) ergänzte, dass der Trend zu proteinreichen Lebensmitteln zwar grundsätzlich dem Fleischkonsum zugutekommt. Aufgrund des hohen Preises könne Rindfleisch davon bislang jedoch kaum profitieren. Dennoch sehen die Unternehmen weiterhin Perspektiven für die Rinderhaltung – auch weil die Nachfrage nach höheren Haltungsstufen im Handel wächst.

MASTERRIND und RVV

Rinderhandel setzt auf Bündelung und Beratung

Wie sich der Rinderhandel auf die neuen Marktanforderungen einstellt, erläuterten Dr. Harm Böckmann und Sophia Krone von MASTERRIND/RVV. Mit rund 170.000 vermarkteten Tieren jährlich ist das Unternehmen der stärkste Partner im Norden. Ziel ist es, Landwirte künftig nicht nur bei der Vermarktung, sondern auch strategisch auf dem Weg zu höheren Haltungsformen zu begleiten. Gleichzeitig setzt MASTERRIND verstärkt auf die Bündelung größerer Tiermengen. „Menge macht attraktiv“, so die Botschaft: Große und einheitliche Vermarktungseinheiten sind für die partnerschaftlichen Schlachtunternehmen interessantdie MASTERRIND kann so gute Preise für Betriebe und Mitglieder umsetzen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Kälberhandel. Aktuell bestehende Ketten im Kälberhandel sind oft nicht rückverfolgbar, viele Tiere durchlaufen mehrere Handelsstufen, und der Mäster erhält schwankende Qualitäten. Um bei diesen Punkten Verbesserungen zu erzielen, plant MASTERRIND den Bau eines zentralen Kälberzentrums, an dem alle Kälber des Zuchtgebietes gesammelt werden. Ziel ist es, einheitliche Qualitäten zu bündeln, Lieferketten zu verkürzen und langfristig mehr Planungssicherheit für Mäster zu schaffen.

Investitionen gut prüfen

Ob sich ein Neubau eines Bullenmaststalls wirtschaftlich rechnet, hängt stark von den individuellen Betriebsbedingungen ab, betonte Inken Rörup (LWK Niedersachsen) im vorletzten Beitrag. Entscheidend seien eine fundierte Planung, belastbare Betriebsdaten und die frühzeitige Einbindung von Beratung und Fachplanung. Mit Blick auf die 2030 auslaufenden Übergangsfristen der niedersächsischen Mastrinderleitlinie stellte LWK-Fachmann Wilfried Naue schließlich die zentrale Zukunftsfrage vieler Betriebe: Lohnt es sich, Investitionen bereits jetzt direkt auf höhere Haltungsstufen – etwa Haltungsform 3 – auszurichten? Die Ergebnisse seiner Auswertung haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Umstellung auf die Haltungsform 3 dem konventionellen System vorzuziehen ist.

Fazit

Das Fachgespräch zeigte deutlich: Die Rindermast steht vor großen Herausforderungen – von steigenden Produktionskosten über knappe Rohware bis hin zu neuen Tierhaltungsanforderungen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach regional erzeugtem Rindfleisch bestehen.
Für viele Betriebe wird deshalb entscheidend sein, frühzeitig strategische Entscheidungen zu treffen und sich auf veränderte Marktanforderungen einzustellen.