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Digitalisierung: die Landwirtschaft als Vorreiter?

Digitalisierung – dieses geflügelte Wort, das in den letzten Jahren immer wieder zu hören ist. Und auch Sie setzen es wahrscheinlich schon in irgendeiner Form um. Aber steckt da vielleicht noch mehr drin? Und in welchen Bereichen kann man eigentlich profitieren? Wir zeigen es Ihnen.

Im Stall sind die Möglichkeiten der Digitalisierung schon bekannt und werden auch schon umgesetzt. Trotzdem ist das Thema immer noch aktuell. Haben Sie aber schon einmal über Digitalisierung in Ihrem Stallbüro nachgedacht? Hier sind Ihre Möglichkeiten.

Herr über den Ablageberg werden

Futter, Einstreu, Stalleinrichtung – alles muss bezahlt werden. Und dafür kommen Rechnungen. Jede Subvention hat ihre Anträge. Und erst die Steuerunterlagen. Wenn Sie ein Organisationsgenie sind, liegen Ihre Dokumente wahrscheinlich alle an der richtigen Stelle und Sie finden direkt alles wieder. Bei vielen stapelt sich – auch aufgrund von Zeitmangel – aber das Papier.

Hierfür bietet die Digitalisierung eine Lösung: das papierlose Büro. Dokumente werden dabei nicht mehr physisch abgelegt, sondern digital. Am Anfang ist das sicherlich eine Umstellung, aber auf Dauer spart es Zeit und schont die Umwelt.

Die Basis dafür ist ein passendes Dokumentenmanagementsystem. Es gibt eine Reihe von Anbietern. Definieren Sie Ihre eigenen Anforderungen und lassen Sie sich beraten. Bei der Arbeit mit dem System ist eine gute Ordnerstruktur das A & O. Die Dokumente müssen bei Bedarf schnell wiedergefunden werden können.

Dokumente, die bereits in Papierform vorliegen müssen mit dem richtigen Dokumentenscanner eingescannt werden. Nur so können die Inhalte direkt mit ausgelesen werden. Noch einfacher ist es aber, sich die Dokumente direkt digital zuschicken zu lassen. Sprechen Sie also mit Ihren Geschäftspartnern – viele sind selbst schon digitalisiert. Lassen Sie alles, was noch in Papierform kommt aber nicht lange liegen, sondern führen Sie Routinen ein, wann Sie diese Dokumente digitalisieren.

Bei manchen Dokumenten herrschen bestimmte Aufbewahrungsfristen. Diese sollten dann auch entsprechend aufbewahrt werden. Alles andere kann in den Papierkorb wandern. So gelingt die Umstellung auch am leichtesten und Sie sind nicht versucht wieder das analoge System zu nutzen – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Notizen o.Ä. können auch in der digitalen Kopie gemacht werden.

Der Arbeitsplatz im Büro verliert an Bedeutung

Im Stallbüro kann die Digitalisierung die Arbeit vereinfachenWenn Sie nicht gerade mit der Ablage beschäftigt sind, bietet Ihnen die Digitalisierung die Möglichkeit vieles von unterwegs zu erledigen. Die Zeit, die Sie tatsächlich im Büro verbringen müssen, verringert sich.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor Sie sind gerade am Mähen als Ihr Steuerberater anruft und dringend Dokumente von Ihnen braucht. Bis Sie wieder Zuhause sind, vergisst man so etwas schnell. Mit ihrem Dokumentenmanagementsystem oder einer cloudbasierten Datenspeicherung können Sie von überall auf Ihre Dateien zugreifen und so direkt vom Feld die Dokumente an Ihren Steuerberater schicken.

Und auch die Kommunikation wird schneller und kann von nahezu überall erledigt werden. Melkpläne, zum Beispiel, lassen sich einfach und unkompliziert an die Melkergruppe verschicken.

 

Sich auf das Wesentliche konzentrieren

Auf einem Betrieb fällt jeden Tag viel Arbeit an. Gerade langwierige und anstrengende Aufgaben können dabei schnell zur Belastung werden. Doch mit modernen Hilfsmitteln lässt sich auch hier Abhilfe schaffen. Wie wäre es zum Beispiel, die Futterzusammensetzung nur noch am Computer einzugeben oder von den Daten der Tiere abhängig zu machen und die Fütterung dann der Technik zu überlassen? Automatisierte Fütterungsmaschinen mischen das Futter eigenständig zusammen und legen das Futter in festgelegten Abständen immer wieder vor.

Melkroboter können die Arbeit erleichternWas für Laien mehr als futuristisch wirkt, ist auf vielen Betrieben schon Alltag: Melkroboter. Das Melken kann so dem Rhythmus und den Vorlieben der einzelnen Kühe angepasst werden, denn jede Kuh entscheidet selbst, wann sie zum Melken geht. Durch einen Sensor erkennt die Maschine die jeweilige Kuh und legt dann mithilfe eines Roboterarms die Melkbecher passend an. Dabei können noch viele weitere Daten, wie z.B. der Fett- und Eiweißgehalt, aber auch Anzeichen für eine Mastitis, erkannt und an das System weitergegeben werden.

Damit die Tiere sicher laufen können und Klauenkrankheiten keinen unnötig großen Nährboden haben, sollte der Boden immer sauber sein. Das erledigen Schieberoboter. Sie bewegen sich autonom durch den Stall und beseitigen den Mist, der von den Tieren ausgeschieden wird.

In der Zeit, die Sie damit gewinnen, können Sie beispielsweise einen genaueren Blick auf Ihre Tiere werfen oder – wenn es der Betriebsablauf zulässt – einfach mal ein paar Minuten durchatmen.

 

Zum Wohle der Tiere

SenseTime HalsbandWenn man sich im Jahr 2018 die Höfe des Zuchtgebiets anschaut, taucht ein Element immer wieder auf: Sensoren am Tier. Ob als Halsband oder Ohrmarke – die kleinen Helfer bieten die Möglichkeit Daten für jedes einzelne Tier zu erfassen. Das öffnet viele Türen: Individuelle Fütterung, Identifikation von Fütterungsproblemen, oder Krankheiten oder Brunsterkennung. Und auch bei der Kalbung weiß das System immer Bescheid. Das spart nicht nur Zeit, sondern erlaubt es, jedem Tier gerecht zu werden – auch wenn das bedeutet, dass das Smartphone schon einmal mitten in der Nacht Alarm schlägt.

Die Vielfalt an digitalen Daten erleichtert es auch Externen (z.B. Herdenmanagement-Beratern) sich einen Überblick über Ihren Betrieb zu verschaffen und Verbesserungspotenzial aufzudecken. Durch die Optimierung von Abläufen sparen Sie häufig nicht nur Zeit, sondern auch bares Geld.

 

 

Ein Fenster für die Öffentlichkeit

Die Verbraucher werden immer bewusster was den Konsum tierischer Produkte angeht. Sie interessiert ja wahrscheinlich auch, wo das, was Sie essen, herkommt. Versuchen Sie einen Bezug zum Hof herzustellen, der ansonsten immer mehr verloren geht. Haben Sie zum Beispiel schon einmal darüber nachgedacht Webcams in Ihrem Stall zu integrieren? So kann sich der Konsument selbst ein Bild davon machen wie die Tiere bei Ihnen leben. Hier sollten aber natürlich rechtliche Belange (z.B. der Mitarbeiter) nicht vernachlässigt werden.

Plattformen um Verbraucher zu informieren gibt es im digitalen Zeitalter viele: Social Media wie Facebook oder Instagram oder Webseiten eignen sich besonders gut, denn damit erreichen Sie nahezu alle Zielgruppen. Viele zeigen schon wie es geht – probieren Sie es doch auch mal aus.

Es muss auch machbar sein

Natürlich können Sie nicht alles sofort und auf einmal umsetzen. Fangen Sie langsam an und steigern Sie sich nach und nach. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Körperliche Entlastung
  • Produktionseffizienz
  • Zeitersparnis
  • Geringere Umweltbelastung

Dafür müssen aber natürlich auch gewisse Voraussetzungen gegeben sein. Die Grundvoraussetzung für Digitalisierung ist ein leistungsstarker Internetanschluss – denn ohne Internet funktioniert fast gar nichts. Wie die Realität auf dem Land aussieht ist hinlänglich bekannt. Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft, und Verbraucherschutz, will hier aber aktiv werden. In einer Presseerklärung des Bundesministeriums sagte Sie gerade erst, dass Digitalisierung ein Schwerpunktthema ihrer Politik sein soll. Bereits in den nächsten Wochen sollen hierfür die Strukturen geschaffen werden.

Ein großes Thema der Digitalisierung ist der Datenschutz. Auch wenn viele Betriebe sogar bereit wären Ihre Daten zur Verfügung zu stellen um z.B. Bürokratie zu verringern, möchte wohl schon jeder noch selber entscheiden, was er oder sie freigibt. Arbeiten Sie daher nur mit seriösen Anbietern zusammen und fragen Sie auch aktiv, was zum Schutz Ihrer Daten unternommen wird. Seit dem 25. Mai gilt übrigens die neue Datenschutz-Grundverordnung (kurz: DSGVO), die europaweit genau regelt wie mit Daten umgegangen werden darf. Auch wenn die deutschen Unternehmen auch bisher schon einen sehr hohen Standard verfolgten, wurden die Anforderungen noch einmal verschärft. Wer sich an die regeln hält, hat jedoch wie immer nichts zu befürchten.

Das kritischste Element der Systeme ist oft der Nutzer selbst. Fehlende Digitalkompetenz kann daher dazu führen, dass die Arbeit wenig effizient ist. In Zeiten, wo junge Leute mit Google, Facebook und dem Smartphone aufwachsen, wird dieses Thema sicher kleiner, aber trotzdem sollte es bedacht werden. Scheuen Sie sich daher nicht Hilfe anzunehmen. Experten geben Ihnen und Ihren Mitarbeitern wertvolle Tipps und zeigen wie Sie am besten mit den Systemen umgehen.

Nicht zuletzt ist Digitalisierung aber auch eine Frage des Geldes. Ein Melkroboter verschlingt ebenso Geld wie die Einführung eines Dokumentenmanagementsystems. Wägen Sie also ab, was sich für Sie mit Blick auf die Zukunft lohnt und wo Sie eher weniger Potenzial sehen.

Eins steht aber fest: Ob Handy, Desktop oder Computer – es führt kein Weg mehr an der Digitalisierung vorbei. Also nutzen Sie sie für sich.

Am Schluss können wir die Frage in der Überschrift auch mit einem eindeutigen „ja“ beantworten. Mit den Entwicklungen der letzten Jahre sind viele landwirtschaftliche Betriebe in pucto Digitalisierung ganz weit vorne.

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