Navigation

Alle Neuigkeiten und Termine nach Kategorien:

„No risk, no fun“ gilt nicht immer

Eigentlich ein ganz normaler Tag im Stall: Man geht den regelmäßig anfallenden Arbeiten wie Klauenpflege nach und alles ist wie immer. Doch dann passiert es: Beim Zutrieb ist eine Kuh besonders unwillig und rennt geradewegs auf Sie zu. Schnell zum Mannschlupf um sich zu retten, doch dann stolpern Sie…

Hoffentlich waren Sie noch nie in einer solchen Situation. Aber es passiert. Anlässlich des Welttags für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz widmen wir uns heute einmal dem Thema Arbeitssicherheit im Stall. Denn Vorsicht ist bekanntlich besser als das Nachsehen zu haben. Deshalb hier nun ein paar einfache Tipps, wie Sie das Risiko in Ihrem Betrieb vermindern.

Die richtige Umgebung schaffen

Der Stall birgt die größten Gefahren. Ein Großteil aller Arbeitsunfälle passiert genau hier. Komplett vermeiden kann man Unfälle wohl nicht, aber man kann die richtigen Voraussetzungen schaffen, um es für Mensch und Tier sicher zu machen.

Alle Elemente, die im Stall verbaut sind, sollten für den Umgang mit Kälbern, Rindern, Kühen oder Bullen geeignet sein. Fangfressgitter und Abtrennungen sollten daher stabil sein und nicht unter der Kraft der Tiere brechen. Machen Sie regelmäßig einen Rundgang durch Ihren Stall und prüfen Sie alle kritischen Stellen.

Personenschlupfmöglichkeiten erhöhen die Sicherheit im Stall
Der Personenschlupf erhöht die Sicherheit

Wenn direkt am Tier gearbeitet wird (z.B. bei der Klauenpflege oder bei der künstlichen Besamung) sollte zudem sichergestellt werden, dass die Tiere einfach fixiert und auch wieder gelöst werden können. Fixieren Sie auch den Schwanz, damit das Tier Sie damit nicht schlagen kann.

Gerade wenn sich Bullen frei in einem Laufstall bewegen können, ist beim Betreten des Stalls Vorsicht geboten. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass im Zweifelsfall schnell geflüchtet werden kann. Hierfür eigenen sich vor allem Personenschlupfmöglichkeiten. Aber Achtung: Vermeiden Sie hier Stolperfallen. Noch sicherer ist es aber, wenn Sie den Stall gar nicht erst betreten müssen. Die Fütterung sollte daher z.B. von außerhalb erfolgen.

Wer Stroh einstreut kennt das. Sobald man mit der Forke im Ballen steckt um das Stroh aufzulockern, findet man sich in einer dichten Wolke aus Staub wieder. Wer diesem Staub dauerhaft ausgesetzt ist, riskiert Atemwegserkrankungen. Achten Sie daher auf eine ausreichende Belüftung und tragen Sie im Zweifel einen Atemschutz. Halten Sie beim mechanischen Einstreuen die Kabine möglichst geschlossen.

Auch die Qualität des Einstreumaterials ist wichtig. Tadelloses Material versteht sich eigentlich schon aus tiergesundheitlicher Sicht von selbst, doch manchmal wurde das Stroh vielleicht doch etwas zu feucht verpresst und in den entstehenden Schimmelnestern können sich gefährliche Mycotxine bilden, die die Atemwege möglicherweise chronisch schädigen.

 

Das Tier als kritischer Faktor

Wer weiß, wie seine Tiere ticken, ist eindeutig im Vorteil was den risikoarmen Umgang angeht. So werden seit einigen Jahren vielfach Schulungen zum geschickteren Umgang mit den Tieren angeboten und Fachliteratur zum besseren Verstehen der „Kuhsignale“ angeboten. Das oberste Gebot ist in Gegenwart der Tiere immer ruhig und bedacht zu agieren.

Damit auch die Rinder möglichst entspannt sind, gilt es schon bei der Stallplanung das natürliche Verhalten der Tiere zu berücksichtigen: So sollte es genug Platz gerade für rangniedere Tiere geben, die Gänge sollten breit genug sein, damit die Tiere aneinander vorbeigehen können, Sackgassen vermieden und ein Tier-: Fressplatz-: Liegebox-Verhältnis von 1:1:1 angestrebt werden.

So führt man ein Rind bzw. einen Bullen richtig - für die eigene Sicherheit
Richtig führen

Wenn Sie die Tiere von A nach B bewegen wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Führen oder Treiben. Beim Führen sind im Kern zwei Dinge zu beachten:

  • Führen Sie auf Kopfhöhe (in Ausnahmen von vorne), achten Sie auf die korrekte Anbringung des Halfters
  • Ketten Sie das Tier nicht an sich fest: Der Strick oder die Stange sollte bei Gefahr schnell losgelassen werden können

Beim Treiben sollten die Vorrichtungen geeignet und stabil sein um das Ausbrechen der Tiere zu verhindern. Eine Lösung hierfür sind zum Beispiel feste Treibgänge. Trichterförmige Zutriebe lassen die Tiere stressfrei und ungefährlich nahezu von alleine laufen.

Besondere Vorsicht bei Bullen

Gerade Bullen zeigen oft ein aggressives Verhalten. Lassen Sie also beim Umgang mit ihnen besondere Vorsicht walten.

Wenn Sie Ihre Bullen führen wollen, wie es oft v.a. in der Fleischrinderhaltung geschieht, ist ein Nasenring eigentlich unabdingbar. Dieser sollte spätestens im Alter von zwölf Monaten eingesetzt werden, damit daran die Leitstange befestigt werden kann. Bullen ohne Nasenring sollten nur geführt werden, wenn eine zweite Person in der Nähe ist und zur Hilfe eilen könnte.

Müssen Sie direkt an das Tier, sorgen Sie dafür, dass Fluchtmöglichkeiten bestehen oder Sie ausweichen können. Das gilt sowohl wenn das Tier angebunden ist, als auch wenn es im Stall oder auf der Weide mitläuft.

Sicherheit für alle – der Mitarbeiter im Fokus

Wenn Sie als Ein-Mann oder Ein-Frau-Betrieb arbeiten, tragen Sie nur Verantwortung für sich selbst und ihre Tiere. Haben Sie aber Angestellte, so sollten Sie sich auch um deren Sicherheit sorgen.

Sicherheitsstiefel sollten auf jedem Betrieb und für alle Mitarbeiter Pflicht sein
Tragen Sie Sicherheitsschuhe

Als erstes sei gesagt: Gehen Sie mit gutem Beispiel voraus. Leben Sie das vor, was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten. Angefangen beim Tragen von Sicherheitsschuhen und -stiefeln bis hin zum richtigen Umgang mit den Tieren. Passende Stiefel und Schuhe finden Sie übrigens auch in unserem Online-Shop.

Um Ihre Mitarbeiter weiter zu sensibilisieren, führen Sie regelmäßig Schulungen durch – ob Sie das selbst können oder sich dafür lieber einen Profi auf den Betrieb holen, bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen.

Auch ein kleines Handbuch, das die wichtigsten Maßnahmen und Arbeitsabläuft skizziert, kann für Ihre Mitarbeiter eine Hilfe sein. So können sie auch wenn niemand da ist, immer auf die wichtigsten Informationen zurückgreifen.

 

 

Und was mache ich eigentlich für mich selbst?

Auch Sie selbst können etwas für Ihre Gesundheit tun. Der oberste Grundsatz lautet: Hilfe annehmen. Gerade beim Heben und Tragen schwerer Gegenstände muss der Rücken ziemlich leiden. Achten Sie daher darauf, dass Sie immer aus den Beinen und nicht aus dem Rücken heben und tragen Sie unhandliche Gegenstände lieber zu zweit. Auch technische Hebe- und Transporthilfen können dem Rücken eine große Last abnehmen – Ihr Rücken wird es Ihnen danken.

Sport als Ausgleich zum Hofalltag fördert die Gesundheit
Sport fördert die Gesundheit

Wer viel arbeitet, braucht auch viel Ausgleich. Dass das bei dem hohen Arbeitsaufkommen eines landwirtschaftlichen Betriebs aber manchmal etwas kurz kommt, kann wohl jeder nachvollziehen. Versuchen Sie trotzdem regelmäßig kleine Sporteinheiten einzuschieben. Es muss auch nicht immer das zweistündige Power-Workout sein. Vielleicht schaffen Sie es ja, sich an zwei Tagen der Woche jeweils eine halbe Stunde freizuschaufeln. Gerade Rückengymnastik kann bei Fehlbelastungen hilfreich sein. Probieren Sie einfach aus, was Ihnen Spaß macht. Ganz nebenbei kriegt man so auch den Kopf frei und kann sich danach voller Elan in neue Aufgaben stürzen.

 

 

Wie Sie sehen, können Sie einiges tun. Und das meiste setzen Sie bewusst oder unbewusst auch schon um. Die hier aufgeführten Tipps und Anregungen sind sicherlich nicht vollständig. Sie sollen lediglich einen Anreiz dazu geben das Sicherheitskonzept auf dem eigenen Betrieb einmal kritisch zu hinterfragen.

Zurück
Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu... OK