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Was tun, wenn das Raufutter knapp wird?

Futter ist bei der anhaltenden Dürre eine immer brisanter werdende Angelegenheit. In der kommenden Rinderzucht, die sich in den nächsten Tagen auf den Weg zu Ihnen machen wird, gibt das Team unserer Herdenmanagement-Beratung genau DIE Tipps, die Sie jetzt brauchen, um Ihre Tiere richtig zu versorgen. Damit Sie darauf nicht noch länger warten müssen, veröffentlichen wir den Artikel schon jetzt exklusiv hier auf unserer Webseite. Die Vorfreude auf die weiteren spannenden Themen in der Rinderzucht wird nach diesem ersten Einblick sicher noch steigen!

Auf der Suche nach Alternativen

Das sprichwörtliche „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ könnte sich in den nächsten Monaten hinsichtlich der Verfügbarkeit von Grobfuttermitteln für viele Milcherzeuger noch weiter zuspitzen. Geringe Niederschläge in Mai und Juni sowie anhaltende Trockenheit im Juli führten, wenn auch regional in unterschiedlicher Intensität, zu Mindererträgen oder gar Totalausfällen beim zweiten und dritten Grasschnitt. Ernte- und Qualitätseinbußen sind an verschiedenen Standorten beim Silomais gleichermaßen durch eine unzureichende/fehlende Kolbenbildung in der Blütezeit sowie einem hohen Vertrocknungsgrad der Restpflanze zu erwarten. Der Zukauf qualitativ hochwertiger Saftfuttermittel (Pressschnitzel, Kartoffelpülpe, Biertreber etc.) ist mittlerweile begrenzt, die geplante Aussaat von Ackergras oder Zwischenfrüchten als Erntegut in Herbst oder Frühjahr abhängig von rechtzeitig einsetzenden Niederschlägen. Was jetzt also tun?

Wie viel Futter ist vorhanden?

Zunächst gilt „kein überstürzter Aktionismus“ und den Futterbedarf und sich daraus ergebenden Futterzukauf (wenn bis dato noch nicht geschehen) bestmöglich durch Aufnahme des aktuellen Futterbestandes und der noch zu erwartenden Erntemengen zu kalkulieren. Insofern die vorrätigen Silagemengen durch Wiegung nicht bekannt sind, sollte eine Grobabschätzung erfolgen:

1. Berechnung Volumina vorhandener Silagen: Länge (m) x Breite (m) x Höhe (m) = Volumen (m³)

2. Berechnung Futtertrockenmasse: Volumen (m³) x Lagerdichte (kg TM/m³) = Trockenmasse gesamt (t). Ist die Lagerdichte nicht bekannt, kann mit folgenden Faustzahlen gearbeitet werden: Maissilage ca. 240 kg TM/m³, Grassilage 200 kg TM/m³

3. Abgleich Ist und Soll (exemplarische Ermittlung des Gesamtfutterbedarfs auf Trockenmassebasis ist Tabelle 1 zu entnehmen)

Tabelle 1: Ermittlung Gesamtfutterbedarf in Trockenmasse (t) pro Jahr für Beispielbetrieb mit 200 Kühen, ZKZ 380 Tage, EKA 24 Monate

Mit Stroh bei den Jüngsten „strecken“

Die Fütterung hochwertiger Silagen sollte primär den melkenden und trockenstehenden Kühen vorbehalten sein. Im Jungrinderbereich (v.a. bei den besamungsfährigen und tragenden Rindern) können hingegen größere Mengen an Grundfutter durch Futterstroh substituiert, fehlender Energie- und Proteinbedarf durch zusätzliches Kraftfutter ausgeglichen werden. Stroh ist in diesem Jahr wenig verpilzt und kommt deshalb für Futterzwecke gut in Frage.

Ist Grassilage knapp und der Einsatz von Biertreber eine Option, kann in Kombination mit Mais und Stroh im Bedarfsfall ebei den älteren Tieren „grasfrei“ gefüttert werden (vgl. Tabelle 2). Alternativ lassen sich Rationen durch Stroheinsatz bis 4 kg (bei tragenden Rindern) und entsprechender Energie- und Proteinergänzung über Kraftfutterkomponenten noch weiter strecken. Hinsichtlich der Kosten pro Tier und Tag unterscheiden sich die Stroh-Konzentrat-gestreckten Rationen nur marginal von den grundfutterlastigen Rationen, insofern die Silagen unter Vollkosten bewertet werden. Wichtig: Auch Rationen im Jungrinderbereich sollten immer auf Grundlage von Futteranalysen berechnet werden, um Nährstoffgehalte bedarfsgerecht einstellen zu können.

Tabelle 2: Beispielrationen für Jungrinder ab 380 kg mit vermindertem Grobfuttereinsatz

Achtung Futterselektion!

Selektives Fressen gilt es beim erhöhten Stroheinsatz unbedingt zu vermeiden. Langes Stroh (> 5 cm) kann in Mischrationen einfach selektiert werden und vor allem in Beständen mit weitem Tier-Fressplatz-Verhältnis zu Problemen führen. Ranghöhere Tiere nehmen bevorzugt die energie- und nährstoffreicheren Futterkomponenten (Kraftfutter) auf, wodurch es vereinzelt zu Pansenübersäuerung und insgesamt zur ungleichmäßigen Gewichtsentwicklung der Gruppe kommen kann. Langes, ungeschnittenes Stroh sollte daher nachträglich gehäckselt oder gemahlen werden (Mindestlänge: 3 – 5 cm). Bei fehlenden Lagermöglichkeiten können größere Mengen in anzumietenden Überseecontainer eingelagert werden. Für eine homogenere, nicht selektierbare Mischung sollte Kraftfutter in Mehlform eingesetzt und der Zusatz von Wasser oder Melasse (Gesamtzuckergehalt Ration beachten!) als „Klebemittel“ in Betracht gezogen werden.

Fütterungsalternativen in der Dürre
Futterselektion gilt es beim erhöhten Stroheinsatz zu vermeiden

 

Mais ist nicht gleich Mais

In diesem Jahr muss mit extrem schwankenden Maissilagequalitäten gerechnet werden, da der Futterwert maßgeblich vom Erntezeitpunkt und der damit verbundenen Ausprägung des Kolbens sowie dem Abreifegrad der Restpflanze bestimmt wird (vgl. Tabelle 3).

Nährstoffgehalte unterschiedlicher Maissilagequalitäten

 

Kolbenarme, grüne Bestände zeigen z.T. extrem hohe Zuckergehalte (der in der grünen Pflanze gebildete Zucker wurde nur bedingt in Stärke umgesetzt), so dass die Energiedichte (NEL MJ/kg TM) insgesamt nicht so stark leidet, wohl aber der TM-Gehalt deutlich reduziert ist. Bei kolbenarmen, vertrockneten Maisbeständen ist die Restpflanze hingegen verstroht, was sich in einem erhöhten TM-Gehalt sowie einem niedrigen Gesamtenergieniveau wiederspiegelt. Diesen Umständen gilt es zunächst bei der Silierung Rechnung zu tragen: bei heterogenen Maisbeständen, sollte der feuchte Mais in die oberen Siloschichten, trockengeschädigter/normaler Mais in die unteren Schichten einsiliert werden. So wird ein stärkerer Druck beim Walzen erzeugt, welcher wiederrum das Nacherwärmungsrisiko minimiert. Bei Beständen mit insgesamt hohem Vertrocknungsgrad empfiehlt sich eine kurze Häcksellänge (10 mm), eine hohe Verdichtung (> 230 kg TM/ m³) sowie der Einsatz von Siliermitteln. Ist kein ausreichender wöchentlicher Futtervorschub (vor allem in den warmen Monaten) gewährleistet, sollte über das Anlegen von „Extra-Silos“ mit kleiner Anschnittsfläche und hoher wöchentlicher Futterentnahme (> 2 m) nachgedacht werden.

Höhere Kraftfuttergaben bei den Melkenden?

Steht Grobfutter nur in begrenzten Umfang und minderen Qualitäten zur Verfügung, können Nährstoffdefizite durch erhöhte Konzentratfutteranteile ausgeglichen werden. An oberster Stelle steht hierbei die Sicherung der Tiergesundheit durch eine bedarfs- und wiederkäugerechte, jedoch auch leistungsangepassten Fütterung. Wird Kraftfutter an falscher Stelle eingespart und somit ein Energiedefizit provoziert, könnte dies langfristig nachteilige Auswirkungen auf Stoffwechsel und Fruchtbarkeitsgeschehen haben. Dasselbe gilt wiederum für eine unzureichende Strukturwirkung, weshalb Zielwerte für ADF (Säure-Detergenzien-Faser:  bestimmt die Verdaulichkeit) und NDF (Neutrale-Detergenzien-Faser: bestimmt die Futteraufnahme) zwingend einzuhalten sind.

Stärkedefizit ausgleichen

Wird Mais mit hohen Zucker- und niedrigen Stärkegehalten eingesetzt, gilt es das Stärkedefizit durch unterschiedliche Stärkequellen auszugleichen. Reduziert sich bspw. der Stärkegehalt der Maissilage von 35% in normalen Jahren auf 25% im Dürrejahr, so würde ein Stärkedefizit von 1 kg Stärke bei der Verfütterung von 10 kg Trockenmasse aus Maissilage entstehen. Auszugleichen ist dieses durch eine zusätzliche Körnermaisfütterung in Höhe von 1,6 kg. Zugleich muss die Menge an Maissilage auf 8,4 kg TM reduziert werden. Zu beachten ist außerdem der Reifegrad der Stärkekörner – aus dem Dürrejahr 2003 kennen wir noch die unverdauten Stärkepartikel im Kot der Kühe. Treten dieses verstärkt auf, ist der Einsatz von Getreide im Austausch gegen Körnermais ratsam, um die Pansenmikroben ausreichend mit schneller Stärke zu versorgen.

Hohe Zuckergehalte berücksichtigen

In diesem Jahr ist nicht nur mit erhöhten Zuckergehalten beim Mais, sondern auch bei den Grassilagen zu rechnen, welche sich bei fehlender Berücksichtigung negativ auf die Verdauung und Gesundheit der Kühe niederschlagen können. Begegnen kann man dieser Problematik bei der Konzentratauswahl durch Berücksichtigung „rohfasterlastigeren“ Konzentratkomponenten, wie z.B. Maiskleberfutter, getrockneter Maisschlempe (DDGS), Sojaschalen etc., die entweder als Einzelkomponente oder in Form eines Kraftfutters gefüttert werden können.

Energiegehalt weiter pushen

Um den benötigten Gesamtenergiegehalt der Ration zu halten, können im Bedarfsfall Sonderfuttermittel wie pansenstabile Futterfette eingesetzt werden. Da der Einsatz kostspielig ist (zwischen 20 – 30 Cent/Tier u. Tag bei täglicher Einsatzmenge von 300 g), muss gemeinsam mit dem Fütterungsberater abgewogen werden, ob der Mehraufwand durch eine alternativ zu erwartende Leistungsdepression (mit entsprechenden Folgen für Stoffwechsel und Tiergesundheit) zu rechtfertigen ist. Bei Gruppenhaltung sollte sich der Fetteinsatz auf das erste Laktationsdrittel beschränken.

Wenn Saftfuttermittel verfügbar sind…

… stellen sie bei Futterknappheit und entsprechender Preiswürdigkeit eine gute Alternative dar, um Grobfuttervorräte zu strecken. So kann Silomais durch Kartoffelpülpe in einer Höhe von bis zu 10 kg Frischmasse substituiert werden. Hierdurch würden sich 5 kg Silomais einsparen lassen. Als Faustzahl gilt: 2 kg Kartoffelpülpe ersetzen ca. 1 kg Silomais. Ein weiteres beliebtes Substitut für Silomais stellen Pressschnitzel dar. Diese bringen eine hohe Schmackhaftigkeit bei guten Energiegehalt und werden auf Grund des hochverdaulichen Faseranteils pansenschonend verdaut. 3 kg Pressschnitzel ersetzen etwa 2 kg Maissilage. Um die Grassilage zu strecken bzw. zu ergänzen, kann sehr gut mit Biertreber gearbeitet werden. Dieser sollte in Kombination mit Stroh gefüttert werden, um die Strukturversorgung aufrecht zu erhalten. Das Verhältnis beläuft sich auf ca. 70% Biertreber und 30% Stroh bezogen auf die Trockenmasse.

Treber zur Fütterung
Um die Grassilage zu strecken bzw. zu ergänzen, kann sehr gut mit Biertreber gearbeitet werden

Strukturlieferant Luzerne

Um die Strukturwirkung bei reduzierten Grobfutter- und erhöhten Kraftfuttereinsatz zu sichern, kann Luzernenheu eine Alternative sein.
Luzerne bringt gegenüber Stroh bessere Verdaulichkeiten, eine Mehraufnahme an Trockenmasse sowie eine höhere Proteinlieferung, was den finanziellen Mehraufwand bei sich steigernden Leistungsniveau rechtfertigen kann. Höchsteinsatzmengen liegen bei 2 kg, wodurch Grobfutter in gewissen Umfang substituiert werden kann. Auch bei Luzerneprodukten treten in der Praxis unterschiedliche Futterqualiäten auf, die es durch entsprechende Futteranalysen bei der Rationsberechnung zu berücksichtigen gilt.

Team MASTER Pro-Fit
Herdenmanagementberatung

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